Collage: Links ist der Plenarsaal des Bundestages zu sehen, rechts eine Nahaufnahme wie ein Stift auf einem anzukreuzendem Kreis gehalten wird.

Bundestagswahl 2025: der Aktion gegen den Hunger Parteien-Check

Die Bundestagswahl 2025 wird richtungsweisend: Setzt Deutschland auf Menschenrechte, Klimaschutz und Hungerbekämpfung – oder zieht es sich aus internationaler Verantwortung zurück? Wir haben die Positionen der sechs größten demokratischen Parteien sowie der AfD geprüft: Wie stehen sie zu globaler Gerechtigkeit, nachhaltiger Entwicklung und Solidarität im Kampf gegen den Hunger? 

Eine erste Übersicht über unsere Einordnung gibt dir unser Schnell-Check. Mehr Infos sowie unsere Einordnung zur Themenauswahl findest du im Text.  

Zum Schnell-Check als PDF

 

Die Ergebnisse unserer Bewertung sind nicht als Wahlempfehlung zu verstehen. Entscheidungshilfe können Angebote wie der „Wahl-O-Mat“ der Bundeszentrale für politische Bildung bieten.

Hungerbekämpfung

Jeder Mensch hat das Recht auf Nahrung. Trotzdem leiden in Deutschland und weltweit aktuell rund 733 Millionen Menschen an Hunger – nicht, weil es zu wenig Nahrungsmittel gibt, sondern weil der Zugang zu ihnen durch Konflikte, die Klimakrise oder soziale Ungleichheit erschwert wird. Nachhaltige Lösungen erfordern politische Maßnahmen, die Armut bekämpfen, Ernährung sichern und die Widerstandskraft von Menschen gegen Extremwetterereignisse und Klimafolgen stärken.  Um den Hunger weltweit bis 2030 zu beenden, haben beispielsweise die Vereinten Nationen die Agenda 2030 verabschiedet. Auch Deutschland hat sich international dazu bekannt. Doch nicht alle Parteien priorisieren dieses internationale Übereinkommen in ihren Wahlprogrammen.

Ernährung und Landwirtschaft 

Eine nachhaltige Landwirtschaft ist weltweit essenziell für Ernährungssicherheit und Klimaschutz. Sie muss kleinbäuerliche Betriebe stärken, Böden und Wasser schonen sowie faire Märkte fördern. Politische Weichenstellungen entscheiden darüber, ob Agrarsysteme Ernährung sichern oder Hunger und Umweltzerstörung verstärken. Aktion gegen den Hunger fordert eine ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Transformation der globalen Ernährungssysteme, bei der gesunde Ernährung für alle Menschen über Profitmaximierung steht. Deswegen setzen wir uns unter anderem für agrarökologische Ansätze ein. Diese Haltung teilen nicht alle Parteien und nicht überall wird der Blick auch auf weltweite Strukturen gerichtet.

Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit 

Humanitäre Hilfe rettet Leben in Krisen und Konfliktgebieten, Entwicklungszusammenarbeit stärkt langfristig Strukturen zum Beispiel gegen Armut und Hunger im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030. Beide Ansätze müssen sich ergänzen: schnelle Nothilfe soll nachhaltige Lösungen nicht ersetzen, sondern Übergänge für resiliente Gesellschaften und eine gerechte globale Entwicklung ermöglichen. Die abnehmende internationale Solidarität schlägt sich auch auf einige der Wahlprogramme der deutschen Parteien nieder. Das zeigt sich unter anderem in (fehlenden) Bekenntnissen zu dem Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) in öffentliche Entwicklungsleistungen (inklusive humanitärer Hilfe) zu investieren – ein Ziel, das sich die Länder der OECD selbst gesteckt haben. Humanitäre Hilfe findet bei fast keiner Partei ausreichend Erwähnung. Und das obwohl Deutschland als EU-Mitglied im “europäischen Konsens zur humanitären Hilfe” seine Verpflichtung zur bedarfsgerechten Hilfeleistung bekräftigt hat.

Frieden und Krisenprävention 

Konflikte sind eine der Hauptursachen für Hunger und Armut. Nachhaltiger Frieden erfordert Prävention durch Diplomatie, soziale Gerechtigkeit und die Stärkung lokaler Strukturen. Politische Lösungen sollten Ungleichheit abbauen, Ressourcen fair verteilen und zivilgesellschaftliches Engagement schützen. Nur wenn Krisen rechtzeitig entschärft werden, können Hunger und Leid langfristig verhindert werden. Wir haben überprüft, welche Schwerpunkte die Parteien hier setzen. Achtung: Unsere Bewertung der Parteiprogramme im Schnell-Check bewertet die Positionen der Parteien zur internationalen Friedenssicherung und zivilen Krisenprävention. Positionen zur deutschen Bundeswehr und nationalen Verteidigung bewerten wir dabei nicht! 

Klima 

Die Klimakrise verschärft Hunger weltweit: Dürren, Fluten und Extremwetter zerstören Ernten, treiben Preise hoch und vertreiben Millionen von Menschen weltweit. Besonders betroffen sind jene, die historisch am wenigsten zur Belastung der Atmosphäre mit Treibhausgasen beigetragen haben. Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen müssen sozial gerecht gestaltet werden, um Lebensgrundlagen zu sichern. Politische Entscheidungen heute bestimmen, ob morgen Hunger und Armut zunehmen oder ob wir die Erderwärmung samt ihrer Folgen noch begrenzen können.  

Lieferkettengesetz 

Globale Lieferketten dürfen nicht auf Ausbeutung und Umweltzerstörung basieren. Verbindliche Regeln sind nötig, um Menschenrechte zu schützen und hungerbedingte Armut zu bekämpfen. Deutschland hat deswegen bereits seit 2021 ein Lieferkettengesetz eingeführt, auf EU-Ebene wurde vergangenes Jahr eine noch strengere Richtlinie verabschiedet. Doch nicht alle Parteien unterstützen die erweiterten Sorgfalts- und Berichtspflichten für Unternehmen.  

Internationaler Schutz von Menschenrechten und Zivilgesellschaft 

Menschenrechte sind universell, doch vielerorts bedrohen repressive Regierungen und wirtschaftliche Interessen zivilgesellschaftliches Engagement. Wer sich für Gerechtigkeit, Nahrungssicherheit oder Klimaschutz einsetzt, wird oft verfolgt. Eine starke internationale Gemeinschaft muss diese Rechte verteidigen, Schutzmechanismen ausbauen und diejenigen unterstützen, die für eine gerechtere Welt kämpfen. 

Schutz des internationalen Völkerrechts 

Das internationale humanitäre Völkerrecht (IHV) sichert Frieden, Menschenrechte und humanitären Schutz. Doch es wird zunehmend missachtet – durch Angriffskriege, Menschenrechtsverletzungen und die Aushöhlung internationaler Institutionen. Wir fordern, dass Deutschland sich entschieden für die Einhaltung und Stärkung des Völkerrechts einsetzt, um globale Gerechtigkeit, Schutz vor Gewalt und humanitäre Hilfe zu gewährleisten. Denn als Vertragspartei der Genfer Konventionen ist Deutschland rechtlich verpflichtet, sich für die Einhaltung des humanitären Völkerrechts einzusetzen. Doch trotz häufiger globaler Missachtungen messen nicht alle Parteien dem Thema großes Gewicht bei.  

Links zu den Wahlprogrammen 

Die Auflistung der Wahlprogramme folgt der Auflistung der Parteien in unserer Übersicht und stellt keine Priorisierung der Parteien durch Aktion gegen den Hunger dar.  

Das Wahlprogramm der CDU-CSU “Politikwechsel für Deutschland” in Langfassung und Kurzfassung 

Das Wahlprogramm der SPD “Mehr für Dich.besser für Deutschland.” 

Das Wahlprogramm von Bündnis 90/die Grünen “Zusammen wachsen” 

Das Wahlprogramm von Die Linke “Alle wollen regieren. Wir wollen verändern.” in Langfassung und Kurzfassung 

Das Wahlprogramm des Bündnis Sarah Wagenknecht zum Download in Langfassung und Kurzfassung 

Das Wahlprogramm der FDP “Alles lässt sich ändern” in Langfassung und Kurzfassung 

Das Wahlprogramm der Alternative für Deutschland: „Zeit für Wohlstand“: Als Bundesverband wurde die Alternative für Deutschland vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft und mehrere Landesverbände gelten als gesichert rechtsextrem. Deshalb wird auf eine Verlinkung der Programme verzichtet. 

14. FEBRUAR 2025
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